Samstag, 22. Februar 2014

Fukushima in mir

Transfer +1
Medikamente: L-Thyroxin, Dekristol, Utrogestan, Estradot, Clivarin, Prednisolon, Folsäure


Jetzt mal ausführlicher.
Die am Dienstag 32 punktierten Eizellen haben dann doch dafür gesorgt, dass ich eine Überstimulation bekam. Aber gut, überstimuliert ist man bei einer künstlichen Befruchtung ja eigentlich immer, denn es ist ja schließlich auch gewollt, dass möglichst mehr als ein oder zwei Eizellen heranreifen. Die Symptome setzten ja auch schon einige Tage vorher ein und bei der ersten ICSI ging es mir auch nicht wirklich gut, aber dieses Mal war es dann doch schon relativ heftig. Um so dankbarer bin ich meiner lieben Ärztin, dass sie am Sonntag noch einmal geschallt hat und wir daraufhin die Punktion nicht erst auf Donnerstag legten, denn ich bin sicher, das wäre schief gegangen. Als ich aus der Narkose aufwachte, merkte ich schon relativ starke Schmerzen im Unterleib. Ich durfte bei Bedarf Ibuprofen 600 (mindestens 6 Stunden Abstand zwischen den Einnahmen) einnehmen, besonders vor dem Schlafen sollte ich eine schlucken. Außerdem sollte ich möglichst nicht laufen und mich hinlegen. Ich befolgte alles brav, schüttete massenweise Flüssigkeit in mich hinein und somit waren die einzigen Gänge eigentlich die zur Toilette. Dank der Ibus waren die Schmerzen zwar da, aber relativ gut erträglich. So überstand ich den Dienstag Spätnachmittag / Abend und den Mittwoch auch recht gut und wähnte mich eigentlich schon in Sicherheit. Ich dachte mir, solange es so bleibt, ist es ok. Am Mittwoch konnte ich mich auch ein wenig Zuhause bewegen und auch mal sitzen. Abends ging es mir sogar recht gut und da nahm ich vor dem Schlafen nur eine halbe Ibu.

Doch dann kam es noch einmal dicke. Ich wachte gegen 0.30Uhr auf und es ging mir echt dreckig. Irgendwie war einiges vorhanden: Bauchschmerzen und Übelkeit, Ziehen, Stechen, heftiger Druck im Unterbauch, der auch in den Oberbauch ausstrahlte. Ich konnte die restliche Nacht nicht mehr schlafen und packte in Gedanken schon ein paar Sachen fürs Krankenhaus zusammen. Mein Mann schimpfte mich am nächsten Tag aus, dass ich ihn nicht geweckt habe, aber er hätte sowieso nichts machen können, da soll wenigstens er etwas Schlaf bekommen. Wenn es gar nicht mehr gegangen wäre, hätte ich ihn dann sowieso wecken müssen.

Gegen 6 Uhr schleppte ich mich dann unter die Dusche. Mir ging es etwas besser als nachts, aber immer noch nicht gut. Ich dachte mir, wenn ich jetzt zum Arzt muss, will ich wenigstens "frisch" sein. Bescheuert eigentlich, es ist ja schließlich nicht so, dass ich seit 3 Wochen nicht mehr geduscht hätte. Aber geht Euch das auch so? Jedenfalls war ich nach dem Duschen dann fix und fertig, mir war leicht übel und mein Bauch fühlte sich so gespannt an, als würde die Haut gleich reissen. Die Ibuprofen linderte die Beschwerden etwas, aber sie blieben immer noch recht doll.

So rief ich dann gleich morgens in der Klinik an, die hatten schließlich gesagt, ich soll mich melden, wenn mir etwas komisch vorkommt. Danach ging es mir nicht besser, aber ich war immerhin etwas erleichtert. Alles war noch im ..... na, ich nenne es mal Toleranzbereich. Anzeichen dafür:
- Ausscheidungen waren vorhanden; ich trank viel und ich musste viel zur Toilette - das war ein gutes Zeichen; wäre es anders, wäre es wohl bedrohlich, weil die Niere schlapp gemacht hätte (wenn ich das alles so richtig verstanden habe)
- Ibuprofen schlagen an, auch wenn sie die Schmerzen nicht komplett unterdrücken können
- mein Kreislauf ist stabil und ich litt nicht unter Schwindel
- ich hatte keine Atemnot
Ich sollte weiter liegen, viel trinken und mich wieder melden, wenn etwas ist. Es gibt wohl beim Überstimulationssyndrom verschiedene Stufen und glücklicherweise war ich noch im "harmloseren" Bereich, so dass ich nicht zum Arzt musste. Ehrlich gesagt, war ich ziemlich froh darüber, nicht aus dem Haus zu müssen, denn ich wollte einfach nur liegen bleiben, nichts hören und nichts sehen. Und den ganzen Tag habe ich auch nichts anderes gemacht. Komischerweise konnte ich auch die ganze Zeit schlafen, aufgestanden bin ich nur, um zur Toilette zu gehen, mir Getränke- oder Essensnachschub zu holen. Gesessen habe ich nur einmal und das war beim Abendessen.

Mir graute schon vor dem nächsten Tag, dem Transfertag. Aber glücklicherweise ging es Freitag dann deutlich besser. Es war sogar der erste Tag ohne Ibuprofen! Zurück vom Transfer war dann wieder Liegen angesagt, aber die Beschwerden waren nur noch leicht. Eigentlich war ich sogar ganz glücklich. Zum einen, weil ich dachte: Ok, das Gröbste hast Du nun wohl überstanden und bist noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen (ich hoffe, dass ich mich nicht zu früh freue, aber eigentlich müsste ich die Überstimu nun überstanden haben)! Und zum anderen, weil es einfach ein tolles Gefühl ist, zu wissen, dass nun zwei echte kleine Embryonen in mir sind. Das gibt mir alles keine Garantie, aber Hoffnung und zumindest für diesen Moment ein schönes Gefühl.

Der Transfer selbst lief super, anders als beim ersten Mal war es zwar etwas unangenehm beim Katheter legen, aber es tat nicht weh. Der Vertretungsarzt war sehr zufrieden. Bevor sich der kleine Acht- und der kleine Zehnzeller auf den Weg in die Gebärmutter machten, durfte ich die beiden noch kurz auf dem Monitor bewundern. Laut Biologin waren beide super entwickelt und beim Achtzeller begann das Innere schon zu verschmelzen, ich glaube, sie nannte es "komprimieren". Bei einem von beiden konnte ich auch den kleinen Cut vom Laser erkennen, der andere lag so, dass es verdeckt war. Wohl etwas schüchtern, der Kleine ;) Auf jeden Fall ein toller Moment.
Im Ruheraum war es auch super, wobei die Bezeichnung Ruheraum dieses Mal irgendwie nicht so passend war. Die beiden Mädels von Dienstag waren ja auch wieder da und wir haben soviel gegackert und gequatscht, dass die Zeit nur so verflog. Auf jeden Fall wollen wir uns auch wieder treffen und in Kontakt bleiben, am besten natürlich mit Babybäuchen.

Ich bekam dann noch die Progesteronspritze, diese fiese, die direkt in den Muskel am seitlichen Po gespritzt wird. Brevactid bekam ich aufgrund der vielen punktierten Eizellen und meinem bereits strapazierten Unterleibes dann aber nicht mehr gespritzt. Grund (Originalaussage des Doktors): "Das Brevactid haben wir auf jeden Fall weggelassen, denn ich bin ja froh, dass wir Fukushima 1 und 2 soweit unter Kontrolle haben!"
So hat wirklich noch niemand meine Eierstöcke genannt, aber mein Mann und ich haben herzlich gelacht. Ich finde es gut, wenn der Arzt nicht so bierernst ist und die Stimmung dadurch etwas lockerer.
Am Montag soll ich mir dann die Einnistungsspritze selbst injiziieren (vorausgesetzt, ich habe keine Bauchschmerzen), das Ganze beschrieb er mit den Worten: "Rumms, einfach rein in den Bauch!"
Und am Dienstag muss ich wieder in die Klinik und mir eine erneute Progesteronspritze abholen. Ich berichtete ihm von der Übelkeit am Tag zuvor und er meinte, dass das wohl von dem starken Druck im Bauch kam. Eigentlich sollte es mir ab nun besser gehen und die Überstimusymptome treten erst wieder auf, wenn eine Schwangerschaft, besonders mit Zwillingen, entstanden ist und neues HcG produziert wird. Na super, also muss ich nun hoffen, dass es mir demnächst wieder schlecht geht? Aber wenn das ein sicheres Zeichen wäre, dass es geklappt hat, dann würde ich das sogar liebend gerne in Kauf nehmen!

Eine Frage zum Schluss habe ich noch an alle Spritzerfahrenen unter Euch:  Beim Clivarin spritzen empfinde ich meistens ein sehr übles Brennen, meistens treibt es mir die Tränen in die Augen, obwohl ich mich zusammenreissen will. Gibt es da irgendeinen Trick, dass es nicht so brennt? Hautfalte doll zusammenkneifen oder lieber nur leicht? Ich bin echt ratlos, wahrscheinlich ist es aber einfach so und ich muss mich damit abfinden.










Kommentare:

  1. Uff, das klingt ja schon relativ heftig - gut, dass dir Schlimmeres erspart geblieben ist. Aber im Fall einer Schwangerschaft (die ich dir von Herzem wünsche!) könnte es wieder auftreten - das ist ja, glaube ich, dann das eigentliche OHSS.
    LG, Julia, daumendrückend für die beiden Krümel

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    1. Ich wollte gar nicht jammern, es ist wirklich ok. Kann schließlich dazu gehören. Mir war aber nur wichtig, dass alles noch im grünen Bereich ist und dass ich es nicht verpasse, Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn es nötig wird. Deshalb auch am Donnerstag der Anruf in der Klinik. Man bekommt ja doch etwas Panik und meine größte Sorge war, ins Krankenhaus zu müssen.
      Wenn wirklich eine Schwangerschaft eintritt, nehme ich die Schmerzen gerne wieder in Kauf :) Der Arzt meinte, dass es in dem Fall wieder schlimmer wird, weil der Körper ja anfängt, HcG zu produzieren. Also sollte ich mir demnächst wohl wieder Schmerzen wünschen ;)
      Liebe Grüße, Lene (auch daumendrückend für Dich)

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  2. Ach du arme Maus! Bei 32 Eizellen hätte es mich ehrlich gesagt aber gewundert, wenn nichts gewesen wäre. Hab mir deswegen schon Sorgen gemacht. Umso mehr freut es mich, dass es dir wieder besser geht! Und gut, dass du kein Brevactid bekommen hast, das hätte wieder voll eingeschlagen. Ja, dein Arzt hat recht, wenn du schwanger bist, wird die Überstimulation wahrscheinlich wieder schlimmer. Daher immer schön weiter viel trinken, Bauch kühlen, Eiweißshakes trinken.
    Ich wünsche dir natürlich ganz ganz fest, dass die beiden Krümel sich festbeißen, aber dann nur eine klitzekleine ÜS, damit du nicht in Panik verfällst, wenn du garnichts hast ;-)
    Meinst du mit Clivarin Heparin? Bei mir hat das Fragmin immer so gebrannt, ich war danach immer 15 min regelrecht ausgenockt. Ich hatte es mal mit kühlen probiert und auch mal mit einer Betäubungssalbe, Emla glaub ich. Da war mir aber der Aufwand zu groß, musste ne Stunde einwirken. Beim letzten Versuch hatte ich Clexane, das war etwas angenehmer.
    Und jetzt ruh dich schön aus und brüte fleißig für die nächsten neun Monate :-)

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    1. Ehrlich gesagt hätte es mich ebenfalls gewundert, wenn es da keine Nachwehen gegeben hätte. Deshalb bin ich auch sehr froh, noch einmal relativ glimpflich davon gekommen zu sein! Das hätte auch noch anders werden können. Man hat den Ärzten (Kiwu-Ärztin, Anästhesist, Biologin) ja auch angemerkt, dass sie doch etwas beunruhigt waren ;)
      Viel trinken mache ich auch auf jeden Fall weiterhin. Es ist zwar recht nervig, weil ich am Tag (und in der Nacht :( gefühlte 1000x zur Toilette laufe, aber viel Flüssigkeit aufnehmen ist einfach das A und O. Ich versuche auch mehr Eiweiß als sonst aufzunehmen, aber zuviel davon soll wohl auch nicht gut sein, da es dann die Nieren belastet, die ja eh schon bei einer Überstimu viel zu tun haben. Also versuche ich, ein gutes Mittelmaß zu finden.
      Ich glaube, Clivarin und Heparin ist in Etwa das Gleiche. Ich meine auf jeden Fall diese Spritze zur Thrombosevorbeugung. Kühlen habe ich beim letzten Mal auch schon probiert, aber ich fand nicht, dass das wirklich geholfen hat. Und eine Stunde Einwirkzeit hört sich wirklich etwas aufwändig an. Ich muss mich dann wohl doch mit dem Brennen anfreunden :( Vielleicht kommt es mir dieses Mal aber auch besonders schlimm vor, weil der Bauch eh so gereizt ist? Mal sehen, wie es sich weiterhin entwickelt.
      Einen schönen Sonntag noch für Euch,
      Lene

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  3. Ohhh bitte niste sich was ein!!!! Da hast du ja jetzt ganz schön was mitgemacht du arme. Toll, dass du die Krümel vorher anschauen durftest, ich glaub dir gern, dass das ein großer Moment war.
    Ich hatte ja auch Fragmin, manchmal brennt es erst hinterher, manchmal während dem Spritzen...manche sagen man muss besonders langsam spritzen ...ich hab leider auch noch keinen tollen Trick :( außerdem sind die Nadeln voll stumpf!
    Liebes, erhol dich schön und ich drücke weiterhin fest die Daumen!!

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    1. Ja, das Anschauen vorher ist toll. Da wird es irgendwie etwas realer :)

      Ich glaube langsam, für diese fiesen, brennende Miststücke gibt es leider keinen Trick :( Aber vielleicht fällt mir ja irgendwann noch was ganz Schlaues ein ;) Dann werde ich es verkünden :)

      Ich hoffe auch so sehr, dass sich was einnistet. So langsam wird es echt mal Zeit!
      Danke fürs Mitfiebern, alles Liebe,
      Lene

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  4. Liebe Lene,

    ich bin so froh, dass es dir wieder gut geht. Ich hab mir auch große Sorgen um dich gemacht, als ich all das gelesen habe. Ich habe ja auch große Angst vor einer Überstimmulation gehabt, gerade wegen dem PCO, aber wir stimulieren genau deswegen ja nur ganz ganz minimal.

    Ich wünsche dir so sehr, dass sich die zwei Schätze einnisten und dass du NIE wieder eine Stimu machen musst. Für's Geschwisterchen gibts ja noch genügend Eisbärchen.

    Ich drücke ganz ganz fest die Daumen!

    LG
    ZweiLinien

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    1. Vielen Dank, liebe Zweilinien. Nie wieder Stimu, das wäre toll :) Ich werde es an die Kleinen ausrichten. Ich habe alles gegeben, nun sind die beiden gefragt ;)
      Alles Liebe, Lene

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