Sonntag, 27. Juli 2014

Von guten Vorsätzen und der Realität

Mein guter Vorsatz lautete: Falls ich irgendwann tatsächlich mal schwanger bin, dann will ich ganz locker sein und jeden Tag genießen!

Lene, willkommen in der Realität!
Jetzt bin ich also ganz wirklich und in echt schwanger, aber von der Umsetzung der guten Vorsätze noch weit entfernt. Schuld ist wie so oft diese blöde Angst. Zu gerne würde ich sie ausblenden, aber es ist soooo schwer. Das nervt mich selbst, zu gerne würde ich jeden Tag einfach nur genießen können.

Irgendwie kann ich es auch immer noch nicht richtig fassen, dass ich schwanger sein soll. (Vielleicht haben die mein Blut vertauscht???) Aber da die das in der Klinik letzten Montag ja nun einmal behauptet haben, versuche ich mich der neuen Situation anzupassen, ohne mich dabei verrückt zu machen. Oft sind es so viele kleine Dinge, die plötzlich für Fragezeichen sorgen. Gestern z.B. stand ich vorm Kühlschrank und fragte mich, ob ich diesen Parmesankäse überhaupt noch essen darf oder ob er zu den verbotenen Dingen gehört.

Durch die ganzen Voruntersuchungen weiß ich bereits länger, dass ich keinen Immunschutz gegen Toxoplasmose habe. Aber ich denke, das ist kein größeres Problem. Eine Katze haben wir nicht und bei der Gartenarbeit oder der Zubereitung von rohen Fleisch / Fisch werden ab nun Handschuhe getragen.

Ansonsten war die erste Woche "schwanger sein" einerseits recht normal (komischerweise dreht die Welt sich tatsächlich einfach so weiter) und andererseits habe ich einige Veränderungen bemerkt.

Zum einen ist mein Appetit recht seltsam. Sonst esse ich eigentlich gerne was Süßes, aber seit letztem Wochenende habe ich überhaupt kein Verlangen mehr danach. Stattdessen habe ich entweder überhaupt keinen Appetit, was sehr anstrengend sein kann, wenn der Hunger immer bohrender wird, oder nur auf ausgewählte herzhafte Dinge. Außerdem schmecken mir Sachen, die ich vorher sehr gerne gegessen habe, auf einmal nicht mehr. Hunger hingegen bekomme ich recht schnell. Beim Blick auf die Waage heute morgen staunte ich aber nicht schlecht: Ich wiege fast 2 kg weniger als beim Start des Versuches! Seltsam, vom Gefühl her hätte ich getippt, dass ich seitdem eher leicht zugenommen habe. Mir ist es auf jeden Fall nicht aufgefallen, die Klamotten sitzen eng wie immer ;)

Mittlerweile ist meine Brust sehr druckempfindlich geworden, mal mehr, mal weniger, und ich merke, dass ich nah am Wasser gebaut bin.

Weiter fühle ich mich sehr schnell müde und erschöpft. Vormittags geht es, aber ab mittags wird es immer schlimmer. Dieses Wochenende ist auch irgendwie mein Kreislauf im Keller und auf den Ohren habe ich etwas Druck. Aber diese Symptome können auch einfach von der weiterhin andauernden Hitze kommen, die scheint mir im Moment nämlich besonders schwer erträglich zu sein und ich bin immer froh, wenn es abends etwas frischer wird.

Auf meiner Haut zeigen sich ein paar Pickel, es hält sich aber noch in Grenzen.

Die Übelkeit ist so ne Sache für sich. Letzten Sonntag musste ich beim Zähneputzen extrem würgen. Ab Montag war mir dann flau im Magen und ich hatte ständig das Gefühl, einen dicken Kloß im Hals stecken zu haben. Ab und zu musste ich auch würgen, aber zum Glück ist es nur dabei geblieben.  Manchmal dachte ich auch, dass das vielleicht alles nur von der Aufregung kommt. Seit Freitag ist mir dann auch nicht mehr übel gewesen.

Dann sind da noch diese mensartigen Unterleibsschmerzen, die ja schon 4 Tage vor dem positiven Test anfingen. Mal sind sie sehr stark, dann wieder nur leicht und manchmal auch gar nicht zu spüren. Nervös macht mich eigentlich jede Form. Sind sie sehr stark, denke ich schon panisch, dass das nicht normal sein kann und alles vorbei geht. Sind sie weg, deute ich das auch als schlechtes Zeichen. Bescheuert, ich weiß, aber trotzdem kann ich es nicht ablegen.

Ich habe einfach keine Ahnung vom Schwanger sein und deshalb kann ich auch nie einordnen, was normal ist. Das ist es wahrscheinlich, was mich dann so unsicher macht.

Meine Medikamente nehme ich fleissig weiter:
1x tgl. L-Thyroxin
3x tgl. 2 Utrogestan
3x tgl. Dekristol
1x tgl Magnesium
Folsäure
1x tgl. Prednisolon
1x tgl. Clivarin
2x tgl Clavella

Und dann bleibt mir mal wieder nur eins: Warten!
Solange versuche ich, die bösen Ängste zu vertreiben, denn ich hatte da ja mal diesen Traum: Schwanger zu sein und das zu genießen!








Kommentare:

  1. Deine Gefüle sind total normal :-)
    In der Psychologie spricht man bei solch gravierenden Lebensverändernden Situation von kritischen Lebensereignissen.
    Mit der Nachricht "schwanger" hat sich dein Leben von heute auf morgen komplett auf den Kopf gestellt. Dein Gehirn muss diese Nachricht auch erst einmal verarbeiten und gleichzeitig arbeitet dein Körper gerade auf Hochtouren, deinen kleinen Wurm gerade komplett an deinen Organismus anzuschließen und ihn gedeien zu lassen.
    Und natürlich ist da, nach deiner intensiven Vorgeschichte, natürlich auch die Angst im Spiel.
    Meine beste Freundin meinte zu mir, nachdem sie nach einer traumatischen Fehlgeburt wieder normal schwanger wurde und das Baby nun auch zur Welt gebracht hat, dass die Angst niemals aufhören würde. Sie dachte, dass nach der Geburt dieses Angstgefühl endlich aufhört, aber da hatte sie falsch gedacht. Auch nach der Geburt und vermutlich bis an ihr Lebensende hat eine Mutter ständig Angst um ihre Kinder :-)

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  2. Ja es ist wirklich ganz normal, dass diese Ängste in deinem Kopf rum geistern! Komplett abstellen lassen die sich leider nicht. Aber mir hat es immer geholfen, dass ich mir gesagt habe “ok, ich akzeptiere diese Gedanken, die gehören dazu“. Und dann habe ich mir bildlich vorgestellt, dass diese Ängste sich in Wolken verwandeln und dass diese am Horizont von dannen ziehen.

    Hört sich vielleicht seltsam an... Aber von dieser Methode habe ich mal gelesen und mir hat es wie gesagt psychisch geholfen :-)

    Immer positiv denken!

    Liebe Grüße

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  3. Ich schließe mich dem Gesagten an: alles normal. Und ich wollte wahrlich eine total entspannte Schwangere abgeben. Ich dachte wirklich, dass ich das easypeasy drauf haben werde. Lässig bin. Tja. Die ersten 12 Wochen waren eine Talfahrt. Glück und nackte, pure Angst, dass uns dieses Glück wieder genommen wird. Aber ich verspreche dir, dass es besser wird. Mittlerweile liebe ich es einfach schwanger so sein (und die Panikanfälle sind nur noch ganz selten da...ja, nicht weg, aber ich fürchte sie werden niemals mehr weg gehen. Aber das ist okay!!) und genieße jeden Tag. Das wirst du auch irgendwann können. Sei dir sicher. Irgendwann gibt es dich in einer deutlich lässigeren Version. Bis dahin: Einatmen. Ausatmen.

    Alles Liebe
    Penny

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  4. Ja diese doofe Angst hört jetzt nicht mehr auf, damit müssen wir leben. Wegen Toxoplasmose etc würd ich mich nicht verrückt machen. Ich bin auch negativ und wir haben zwei Katzen. Das Katzenklo habe ich, wenn, nur noch mit Handschuhen saubergemacht, aber ich habe die beiden wie immer behandelt und habe mir nicht jedes Mal die Hände gewaschen. Da wäre ich aus dem waschen wohl nicht mehr rausbekommen. Rohes Fleisch esse ich eh nicht und Käse auch kaum. Sonst hab ich mich nicht drum gekümmert, habe normal gegessen, auch Salami. Ich denke, das muss jeder für sich verantworten. Man sollte eben nicht bei jedem Schritt den man tut, denken, ob man das nun darf.
    Wenn die ersten Wochen rum sind, wirst du bestimmt etwas entspannter.
    Liebe Grüße Stella

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  5. Lene, das ist ja wunderbar, ich gratuliere dir :)

    Hachja, diese Angst kommt mir bekannt vor. Man hangelt sich so von Woche zu Woche - erst bis zur 12., dann zur 24. und schlussendlich zur 37. und ganz plötzlich hält man sein Kind im Arm ;)

    Ich drücke euch ganz feste die Daumen :)

    Alles, alles Liebe

    Nadja

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