Donnerstag, 18. Juli 2013

Von Bergen und Tälern hier im platten Land

Wir haben geredet. Der erste Versuch ging daneben. Ich bin doch mit dem Thema angefangen, die Reaktion meines Mannes wirkte auf mich eher gelangweilt, dieses löste bei mir gleich wieder Herzschmerz und einen Heulanfall aus! Irgendwie ist es komisch, wir sind in vielen Dingen gleicher Meinung, haben Spaß zusammen, aber wenn es um das Sprechen über den Kinderwunschkram geht, dann ist es anders! Komisch. Mein Mann der Verdränger und ich die, die immer gleich bei dem Thema angegriffen ist. Schlechte Basis für ein vernünftiges Gespräch.

Gestern, einen Tag später, lief es dann besser. Wir haben es dann doch noch hingekriegt, drüber zu sprechen. Johannes würde am liebsten so schnell es geht mit der ersten ICSI starten. Er sagt, warum warten und worauf?! Denn irgendwas sei schließlich immer und wir können den Versuch ja nicht immer nach allem anderen richten, sondern alles andere muss sich dann halt mal nach dem Versuch richten! Dann sei das halt so!
Ich habe auch meine Bedenken geäußert, dass ich nicht weiß, ob ich wirklich bereit dazu bin, denn was mir Sorgen macht, ist meine Einstellung der letzten Monate. So häufig bin ich schlecht drauf. Ich möchte gerne positiv in die Zukunft schauen, aber es sind immer wieder diese Ängste, die aufkommen. Die Angst davor, dass es nie klappt bei uns. Wieder alle Energie in einen Versuch zu stecken und dann mit leeren Händen am Ende da stehen. So gerne wäre ich immer optimistisch, fröhlich und positiv in die Zukunft schauend. Manchmal bin ich auch kurz so, aber dann holen mich doch wieder die negativen, pessimistischen Gedanken ein! Und deshalb zweifel ich. Daran, ob es überhaupt Sinn macht, einen wertvollen Versuch zu machen, wenn ich nicht immer und zu 100% an den Erfolg von diesem Versuch glauben kann. Muss ich nicht optimistisch sein, damit es was wird? Zumindest rede ich mir das immer ein. Was mein Mann darauf gesagt hat, hat mir eigentlich gut getan. Er meinte, dass das keine besondere Rolle spielt, ob ich durchgängig positiv sehen kann oder nicht. Er hat mich daran erinnert, dass wir beim letzten Versuch so viel Hoffnung hatten und dem Ganzen positiv entgegen geblickt haben und dann .... hat es trotzdem nicht geklappt! Ob er damit Recht hat oder nicht, da werden die Meinungen sicherlich auseinander gehen, aber es ist ja wirklich so, dass andere auch schwanger geworden sind, obwohl sie vorher kein gutes Gefühl hatten. Oder andere hatten wiederum ein gutes Gefühl und dann hat es nicht geklappt.
Auf jeden Fall hat er mit damit vielleicht auch ein kleines bißchen den Druck genommen, dass ich immer nur positiv sein muss. Ich finde, man bekommt immer und überall eingetrichtert, dass Kinderwunschpaare furchtbar entspannt sein müssen, wenn sie schwanger werden wollen. Nach dem Motto: Sonst kann das ja auch gar nichts werden! Und mich beeinflusst sowas echt. Ich denke dann wirklich darüber nach, ob ich trotz allem nicht schwanger werde, weil ich auch immer mal wieder Angst, Sorgen oder sonstige ngativen Gedanken habe. Irgendwie sorgt diese erzwungene Entspanntheit erst Recht für Stress bei mir, dass ist, als wenn ich mich im Kreis bewege.

Auf jeden Fall hat mir das Gespräch gut getan und auch geholfen - wir sind beide zu dem Entschluss gekommen, möglichst bald anzufangen.

Deshalb habe ich heute gegen 10Uhr (als schon alter, also 1,5 Jahre alter Kiwu-Klinik-Hase weiß ich ja schon, dass man früher eher schwer jemanden ans Telefon bekommt) in unserer Klinik angerufen, um abzuklären, wie nun der Verlauf ist. Das ICSI - Aufklärungsgespräch hatten wir ja schon im Mai, aber ich muss ja nun wissen, an welchem Tag des Vorzyklus ich zum Hormonstatus-Check kommen soll, wann die Downregulierung beginnt etc. So war es auch mit unserer Frau Doktor abgesprochen, dass wir uns dann melden, sobald wir da Ok haben und es weitergehen soll. Naja, jetzt war ich gerade frisch motiviert, um dann auch gleich wieder ausgebremst zu werden. Die Schwester war nämlich nicht so begeistert. Also da müsse sie erst einmal einen Termin für uns machen bei Frau Doktor, denn so jetzt einfach bald anzufangen - das würde ja nicht so einfach gehen. Ich habe versucht, Ihr zu erklären, dass wir schon Ende September einen Termin haben, der war aber dafür gedacht, um evtl. Zwischenfragen oder so abzusprechen, wenn sich das Ganze mit der Krankenkasse noch bis zum Jahresende oder länger hingezogen hätte, und das wir den Ablauf schon einmal mit Frau Doktor besprochen hätten. Sie bot an, mal zu schauen, ob wir den Termin vorverlegen können. Aber darum ging es mir doch gar nicht, was bringt es mir, wenn sie den Termin um einen Monat nach vorne schiebt? Wir müssen uns doch nach meinem Zyklus richten, verdammt, und nicht nach irgendwelchen Kalendertagen! Wir haben schon alles besprochen und sollen uns doch nur melden, sobald die Kostenzusage steht und wir mit der ersten ICSI beginnen möchten, um dann den Start anhand meines Zykluses zu bestimmen. Die Gute schien mir leicht überfordert, ich verstehe auch nicht, warum sie nicht in meinen Unterlagen sehen konnte, wie unser aktueller Stand in der Klinik ist. Da muss doch irgendwo vermerkt sein, dass es losgeht, sobald die Kostenzusage fest steht! Auf jeden Fall konnte sie mir da nun auch nicht weiterhelfen. Sie wollte dann später mit Frau Doktor Rücksprache halten und könne da nun nicht mehr zu sagen.  Ich sollte auf ihren Rückruf warten. Als ich auflegte, fühlte ich mich gleich wieder eingebremst und die Motivation sank schon wieder. Nachmittags hat sie mich dann auch wie versprochen zurückgerufen. Aber schlauer bin ich immer noch nicht. Sie erzählte mir, dass Frau Doktor sich hat unsere Akte mitgeben lassen und wir uns nächste Woche wieder melden sollen, um abzusprechen, wie und wann es nun weitergeht! Arghhhh!

Irgendwie kommt mir das alles immer wieder wie eine Berg- und Talfahrt vor - obwohl wir hier doch auf dem platten Land leben!

Kommentare:

  1. Ach Helene, das ist ja wirklich ein ganz schönes Gefühlsdurcheinander. Aber ich kann dich voll verstehen, wenn du sagst, du willst lieber mit einem guten Gefühl in einen Versuch starten. Das würde ich genauso machen. Allerdings wann ist denn ein gutes Gefühl? Angst hat man doch immer irgendwie. Ich kann dir leider auch nicht sagen, wie ich mich entscheiden und was ich an deiner Stelle tun würde. Bin ja selbst noch vollkommen orientierungslos was unseren weiteren Weg betrifft. Ich kann dir nur sagen, dass ich in Gedanken bei dir bin und dich ganz doll drücke. Lass dich nicht entmutigen.
    Liebe Grüße, Sternchen

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  2. Liebe Lene,
    ich finde es toll, dass ihr jetzt gemeinsam zu dem Ergebnis gekommen seid, dass ihr starten wollt. Ich finde, dass das die richtige Entscheidung ist.

    Vielleicht kann man es auch so sehen: Ein Kind bekommen, soll doch zu unserem Leben dazu gehören, es ist etwas, dass wir als Eltern in unser Leben aufnehmen, als ob es nie woanders hingehören würde.
    Und das Leben läuft nunmal so, wie es läuft und vor allem auch bei uns Frauen kommt immer mal wieder das eine oder andere Gefühlchaos dazu. Oder wir fühlen uns zu gestresst oder gerade nicht in guter Stimmung.
    Ich glaube aber nicht, dass das einen Kinderwunsch verhindern oder den Zeitpunkt bestimmen sollte.

    Im "Normalfall" ist es doch so, dass man nicht verhütet und dann passiert es einfach irgendwann, ob nach 2, 3 oder 4 Monaten.
    Wir sind nun schon (leider) in der Lage, dass es so nicht klappt und müssen uns nach bestimmten Plänen richten. Aber ich glaube, man muss sich dann nicht noch einen größeren Kopf machen als man sich eh schon macht.

    Bei uns war es so: Wir haben die Diagnose vom SG bekommen, den Termin in der KiWu-Klinik gemacht, dort hieß es dann ICSI und dann ging es auch direkt los. Alles ratzfatz.....

    Das mit der Terminabsprache in der KiWu-Klinik ist wirklich total nervig. Ich wäre wahnsinning geworden und jetzt sollt ihr auch noch bis nächste Woche warten?!?! Ätzend!
    Hab letztens Mal in deinen älteren Einträgen gestöbert und hab auch den Eintrag zum Termin in der Klinik gelesen. Hatte ich auch so verstanden, dass es jetzt also quasi gleich losgehen kann.....

    Hoffentlich klärt sich das schnell!

    Ein schönes Wochenende wünsche ich schonmal!
    Liebe Grüße vom Küken!

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  3. Hi Lene!

    Es kann gut möglich sein, dass deine Ärztin die Akte mitgenommen hat um den genauen Behandlungsplan zu erstellen. Sie wird dazu eure Akte durchschauen um die "richtige" Dosis zufinden bzw. umf estzulegen ob ggf. noch etwas untersucht werden sollte.... was für Medis sinnvoll wäre... ob vorher Pille oder eben nicht usw.
    Ich würde dies erstmal als ein Vorrankommen werten und nicht als ausbremsen.
    Aber ganz klar kann ich verstehen wie du dich gefühlt hast. Da überwindet man sich... und denkt "Genau jetzt könnte ich es mir vorstellen!" und dann gibt es keine klare Aussage... es wird herumgeredet... man wird vertröstet. Glaub mir... hast du erstmal den Behandlungsplan geht alles ratzfatz. Da fragst du dich "Himmelswillen!" "Wo ist bloß die Zeit geblieben?"
    Pass mal auf! Nächste Woche bekommst du sicherlich Klarheit.

    Ich drück dich meine Liebe!

    Melle

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  4. Ich drück euch die Daumen, dass ihr Anfang nächster Woche einen Plan bekommen könnt und es endlich los geht.
    Versuch positiv zu sein, so gut es geht, auch wenn es schwer fällt.
    Alles Gute!

    LG, Mrs. Herzgedanken

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  5. Liebe Lene,

    ach, ich würde dich am liebsten erstmal ganz fest in den Arm nehmen. *umarm*

    Das mit der Entspannung ist so eine Sache. Sie kann man nicht erzwingen, so gerne man das auch möchte. Besonders schwer ist es, wenn man eine Sache so gern möchte und immer wieder einen auf den Deckel kriegt - so wie ihr mit euren IUIs.

    ABER: das ist vorbei! Die ICSI ist ein neuer Anfang. Ganz andere Voraussetzungen! Weg mit dem alten Ballast! Ich bin überzeugt, die Zukunft hält ein Baby für euch bereit. Sei mutig und wage es!

    Hast du es schon mal mit Homöopathie versucht? Mir hat Aconitum total gut geholfen, meine Ängste in den Griff zu gekommen. Ich brauchte nur ganz wenig, aber das war sehr effektiv. Wenn du möchtest, schreibe ich dir gern mehr dazu.

    Liebe Lene, es wird einen Tag geben, an dem wir beide zusammen am Strand der Ostsee sitzen und wir BEIDE werden unseren Nachwuchs dabei haben. Ich glaube ganz fest daran, und solange wie du das noch nicht selbst kannst, glaub ich für dich mit. Aber irgendwann habe ich dich soweit, dass dieser Gedanken ganz fest und ganz entspannt in deinem Hirn verankert ist ;)

    Liebe Grüße
    ZweiLinien

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    1. Juchhu, an der Ostsee wär ich auch dabei ;-)

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  6. Liebe Lene,

    ich kann sehr gut nachvollziehen, wie es ist, noch nicht bereit zu sein. Bei uns lagen zwischen Diagnose und dem Willen, zu beginnen, 1 1/2 Jahre.

    Auch wenn Johannes jetzt direkt starten möchte, was natürlich toll ist, musst auch du bereit sein. Aber zwischen dem Bereitsein und dem Starten können kann auch noch mal Zeit vergehen und das ist genauso nervig wie alle Warteschleifen.

    Wenn deine Ärztin sich zurückmeldet und du einen Plan hast, wird es dir sicherlich besser gehen.

    Und ob du dann den nächstmöglichen Zyklus nutzt oder noch einen Monat lang wartest, kannst du dann immer noch entscheiden.

    Alles hat seine Zeit un du wirt genau wissen, wann das bei dir der Fall sein wird.

    Ich drück dich!

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  7. Hallo Helene,

    Ich glaube, ich verstehe dich. Man wünscht sich eine Familie. Man geht mit soviel Hoffnung in einen Behandlungszyklus und man wird die Angst vor der Enttäuschung nicht los. Leider ist es so, dass wir medizinische Hilfe benötigen um den Wunsch in Erfüllung gehen zu lassen. Darum sind unsere Ängste auch größer als im Normalfall. Wir wissen einfach zu viel und wissen, was alles schief gehen kann.

    Du musst dir immer in Erinnerung rufen, wohin du möchtest. Es kann leider niemand sagen, ob der Zyklus gerade DER Zyklus ist. Aber wenn du weißt...wenn du dir ganz sicher bist...dass der Weg, den du gehst, der richtige ist, dann können dir die Rückschläge nicht mehr so viel ausmachen. Du hast deinen Mann an deiner Seite. Sei mutig!

    Liebe Grüsse
    Hanni

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